{"id":1699,"date":"2018-01-12T22:38:03","date_gmt":"2018-01-12T21:38:03","guid":{"rendered":"https:\/\/swarafulk.de\/2018\/01\/die-goten-und-der-arianismus\/"},"modified":"2018-01-12T22:38:03","modified_gmt":"2018-01-12T21:38:03","slug":"die-goten-und-der-arianismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/swarafulk.de\/en\/2018\/01\/die-goten-und-der-arianismus\/","title":{"rendered":"Die Goten und der Arianismus"},"content":{"rendered":"<p>Die Goten und der Arianismus<\/p>\n<p>Manche Konflikte zwischen Goten und R\u00f6mern lassen sich nur dadurch erkl\u00e4ren, dass die Goten bei ihrer Christianisierung eine spezielle Variante des Christentums annahmen. Dabei handelt es sich um den sog. Arianismus.<br \/>\nDie Lehre geht auf den christlichen Presbyter Arius (* um 260; \u2020 336 in Konstantinopel) zur\u00fcck. Der Arianismus unterscheidet sich vom Katholizismus in ihrem Verst\u00e4ndnis des Verh\u00e4ltnisses zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Die katholische Kirche ist davon \u00fcberzeugt, dass Jesus Christus eines Wesens mit seinem Vater ist. Sie glaubt, dass er gezeugt wurde, zuvor aber schon genauso lange in Gott existierte wie Gott selbst. Sie sind also genau gleich in ihrem Rang und ihrem Wessen. Deshalb wurde die Katholiken von den Arianern auch Trinitarier genannt.<br \/>\nDie Arianer glaubten demgegen\u00fcber, dass der Vater allein Gott ist. Weil er die Welt nicht selber schaffen konnte, schuf er den Logos, der Jesus ist. Die Arianer glauben also, dass Jesus nicht schon immer da war. Er wurde geschaffen, zwar bevor die Zeit entstand, aber er ist eben nicht ewig. Deshalb ist er Gott auch nur \u00e4hnlich und nicht gleich. Gott und Jesus sind auch nicht eines Wesens.<br \/>\nDie Arianer waren sich aber untereinander nicht einig, weshalb sie verschiedene Fraktionen bildeten. Die Exukontianer glaubten, dass Jesus aus dem Nichtseienden geschaffen wurde. Die Anomoianer waren \u00fcberzeugt, dass Jesus Gott ganz und gar un\u00e4hnlich ist. Die Hom\u00f6aner glaubten, dass Jesus Gott \u00e4hnlich sei und die Hom\u00f6usianer waren der Ansicht, er \u00e4hnele ihm in Wesen. Im Kern ist der Arianismus deshalb entstanden, weil Arius meinte, wenn Gott und Jesus gleich w\u00e4ren, g\u00e4be es zwei G\u00f6tter. Deshalb m\u00fcsse er Gott untergeordnet sein. Er ist also geschaffen aber trotzdem g\u00f6ttlich.<br \/>\nDer Arianismus wurde auf den ersten beiden \u00f6kumenischen Konzilien (325 n. Chr. Konzil von Nic\u00e4a und 381 n. Chr. Konzil von Konstantinopel), zur H\u00e4resie erkl\u00e4rt.<br \/>\nDen Goten kam die arianische Konfession insofern entgegen, als die Unterordnung des Sohnes unter den Vater ihrem Sippenverst\u00e4ndnis entsprach. Sie hatten au\u00dferdem einige sehr engagierte Bisch\u00f6fe, die sie einfach durch ihre Pers\u00f6nlichkeit \u00fcberzeugten und deren Konfession sie deshalb ungefragt \u00fcbernahmen.<br \/>\nAls sie sich dann einmal daran gew\u00f6hnt hatten, wollten sie sie nicht mehr wechseln.<br \/>\nEiner dieser Bisch\u00f6fe, wenn auch nicht der erste, der vom byzantinischen Reichsbischof Eusebius 341 in Antiochia f\u00fcr die Goten geweiht wurde, war Wulfila. Er hatte kappadokische Vorfahren, verstand sich selbst aber bereits als Gote. Er missionierte bis 348 n. Chr. an der unteren Donau und angesichts des einsetzende Widerstand in den V\u00f6lkern gegen die christlichen Missionierungsversuche, ging Wulfila und andere Heidenchristen ins r\u00f6mische Exil in der Provinz Moesia secunda bei Nikopolis. Dort \u00fcbersetzte er die Bibel ins Gotische und entwickelte daf\u00fcr eine eigene Schrift. Sie setzt die Buchstabenreihenfolge des griechischen Alphabetes voraus (auch die Schreibung von Zahlen mit Buchstaben) und verwendet dar\u00fcber hinaus lateinische Buchstaben und Runen f\u00fcr Laute, die im Griechischen nicht vorkommen.<br \/>\nEr sah sofort die Vorteile der arianischen Konfession und verglich das Verh\u00e4ltnis von Gott Vater und Gott Sohn mit dem Konzept von Unterordnung und Treue, dass ihnen aus dem germanischen Gefolgschaftswesen bekannt war.<br \/>\nInnerhalb der Arianer z\u00e4hlte Wulfila, was Kleiner Wolf bedeutet, zu den Hom\u00f6anern (von griechisch \u1f41\u03bc\u03bf\u1fd6\u03bf\u03c2 [homoios], \u00e4hnlich). Durch sein Wirken wurde nicht nur die West- und Ostgoten, sondern auch die Vandalen, Langobarden und Burgunder zu arianischen Christen. Seine Bibel\u00fcbersetzung bringt er nicht nur den Text in eine andere Sprache, sondern passt sie auch der germanischen Kultur an. Er fand neue Bilder f\u00fcr die biblischen Inhalte, die den Goten sonst zu fremdartig vorgekommen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Hier das atta unsar (\u201eVater unser\u201c) auf Gotisch:<\/p>\n<p>atta unsar \u00feu \u00efn himinam<br \/>\nweihnai namo \u00feein<br \/>\nqimai \u00feiudinassus \u00feeins<br \/>\nwair\u00feai wilja \u00feeins<br \/>\nswe \u00efn himina jah ana air\u00feai<br \/>\nhlaif unsarana \u00feana sinteinan gif uns himma daga<br \/>\njah aflet uns \u00featei skulans sijaima<br \/>\nswaswe jah weis afletam \u00feaim skulam unsaraim<br \/>\njah ni briggais uns \u00efn fraistubnjai<br \/>\nak lausei uns af \u00feamma ubilin<br \/>\nunte \u00feeina \u00efst \u00feiudangardi<br \/>\njah mahts jah wul\u00feus \u00efn aiwins<br \/>\namen<\/p>\n<p class=\"facebook-post-url\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1179509282113282\/posts\/1748658078531730\">Facebook<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Goten und der Arianismus Manche Konflikte zwischen Goten und R\u00f6mern lassen sich nur dadurch erkl\u00e4ren, dass die Goten bei ihrer Christianisierung eine spezielle Variante des Christentums annahmen. 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